Hochtourenkurs – Ötztaler Alpen
9. bis 13. Juli 2017
Hochtouren sind auch im Sommer eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Voraussetzung sind umfassende alpine Kenntnisse, sowohl im Fels als auch im Eis. Der dramatische Rückgang der Gletscher macht diese Art von Touren nicht einfacher. Durch zunehmende Ausaperung von, teils sehr brüchigen Felsbereichen wird nicht nur die Ersteigung so manches Gipfels schwieriger sondern steigt auch die Steinschlaggefahr an. Bei unserem Hochtourenkurs haben wir versucht all jene Fähigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die erlebnisreiche und weitgehend risikoarme, einfache Hochtouren erfordern.
Ausgangsort: Vent – Rofenhöfe. Als Stützpunkt diente uns die Vernagthütte (2.755 m)
Teilnehmer: Conny, Diana, Niki, Susi, Alex.
Kursleitung: Oswald Helm

9. Juli 2017
Nach einem gemütlichen Aufstieg – die schweren Rucksäcke schwebten mit der Materialseilbahn zur Hütte – bei bestem Wetter standen auch gleich die ersten Ausbildungseinheiten auf dem Programm: Ausrüstung. Dabei wurde nicht nur auf die Besonderheiten der Hochtourenausrüstung eingegangen sondern auch die Steigeisen an die Schuhe angepasst. Danach wurden noch zahlreiche Knoten erlernt und geübt.

10. Juli 2017
Tourenziel des heutigen Tages war die Schwarzwandspitze (3.466 m). Im Zuge des Aufstieges wurde das Gehen mit Steigeisen und die Bildung und das Verhalten von Gletscherseilschaften geübt. Leider endete die Tour, wegen der schlechten Verhältnisse, ca. 150 m unterhalb des Gipfels auf einem aussichtsreichen, überfirnten Joch. Der weitere Anstieg zum Gipfel war steil, äußerst brüchig und bot kaum brauchbare Sicherungsmöglichkeiten. Während des Abstieges bauten wir noch mit Hilfe von Eisschrauben Verankerungen im Eis und mit Hilfe eines T-Ankers im Firn.

11. Juli 2017
Nach nächtlichen Regenschauern verließen wir die Hütte in Richtung unseres heutigen Tageszieles, dem Fluchtkogel (3.500 m). Am Guslarferner galt es zunächst einigen Gletscherspalten auszuweichen und dann noch den gut verfirnten, am Schluss ziemlich steilen, Hang zum Oberen Guslarjoch zu überwinden. Am Joch selbst boten sich sehr gute Bedingungen um die Bergung aus einer Gletscherspalte mit Hilfe der losen Rolle zu erlernen und zu üben. Leider bildeten sich, noch während unserer Übungen drohende Wolkentürme. Frischer Wind kam auf und so entschlossen wir uns schweren Herzens, auch heute, auf den Gipfel zu verzichten. Leider stellte sich diese Entscheidung später als unbegründet heraus. Ein paar Regentropfen fielen erst in den späteren Abendstunden. Abends stand dann noch Orientierung mit Karte und div. technischen Hilfsmitteln auf dem Programm.

12. Juli 2017
Die heutige kurze Tour auf die Mittlere (3.128 m) und Hintere Guslarspitze (3.147 m) stand ganz im Zeichen der Orientierung. Der Anstieg zu den Gipfeln war eine hübsche Wanderung ohne Gletscherbegehung, bot aber immer wieder interessante Möglichkeiten das Gelände mit der Karte zu vergleichen und grobe Berechnungen über die noch zurückzulegende Wegstrecke und die Gehzeit anzustellen. In den Nachmittagsstunden wurde, wieder im Nahebereich der Hütte das aktive, gesicherte Abseilen und die Selbstrettung aus einer Gletscherspalte mit Hilfe der „Münchhausentechnik“ erlernt. Abends beschäftigten wir uns mit Tourenplanung.

13. Juli 2017
Der letzte Kurstag erwartete uns nach einer stürmischen Nacht mit feinem Nieselregen und Nebelfetzen. Mit wenig Lust machten wir uns auf den Weg zur Hochvernagtspitze (3.530). Anfangs folgten wir dem Weg zur Wildspitze, verließen diesen jedoch auf ca. 3.000 m um über den Großen Vernagtferner in nordwestlicher Richtung unserem Ziel zuzusteuern. Der anfangs völlig blanke und vereinzelt bis zu 30° steile Gletscher bot wunderbare Möglichkeiten, die in den letzten Tagen erlernten Gehtechniken mit den Steigeisen anzuwenden. Sobald sich der, später gut überfirnte Gletscher zurücklegte lauerten einige, kaum erkennbare, Gletscherspalten und mahnten zur Vorsicht. Ca. 150 m unterhalb des Gipfels ließen wir die Steigeisen zurück und steuerten über loses Geröll und Blockwerk den Gipfel an. Das Wetter hatte sich mittlerweile gebessert. Langsam gewann die Sonne die Oberhand über den Nebel und die Wolken. Mittlerweile war allerdings die Schneedecke stark durchweicht. Der teilweise ziemlich spaltige Gletscher erforderte volle Konzentration und größte Vorsicht. Zurück auf der Hütte stärkten wir uns nochmals mit köstlichen Mehlspeisen und Kaffee ehe wir den Abstieg ins Tal in Angriff nahmen.