Picos de Europa

Skitourenwoche vom 7. – 14. März 2020 im Kantabrischen Gebirge (Norspanien).

In den Alpen gibt es leider keine einsamen Skitouren mehr. Wer in den Picos de Europa unterwegs ist findet jede Menge einsamer Ziele und weitgehend unverspurte Hänge. Dann und wann begegnet man einem einheimischen Skitourengeher oder einer alpinen Einsatzgruppe der guardia civil. Ansonsten herrscht hier eher Ruhe.

Ausgangsorte: Im Süden Potes bzw. Fuente Dé, im Norden Sotres.
Teilnehmer: Anna, Daniela, Sylvia, Christoph, Manfred, Much, Ossi E. Peter E., Peter S. Ossi H.

Herrliche Skihänge unter südl. Sonne.
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Die Picos de Europa sind ein schroffes Kalksteinmassiv in Nordspanien. Wer die Picos im Sommer gesehen hat kommt kaum auf die Idee die Berge mit den Skiern zu erkunden. Wer sich damit zufrieden gibt, dass so manche Skitour nicht auf einem Gipfel sondern in einer Scharte endet wird für die, meist gar nicht so großen Anstiegsmühen, reichlich belohnt. Ihren Namen verdanken die Picos der christlichen Seefahrt. Die höchsten Spitzen waren die ersten Anzeichen, die den frühen Seeleuten die Nähe des europäischen Festlandes anzeigten. Der größte Teil der Picos de Europa ist Nationalpark. Abgesehen von einigen eher einfachen Hütten und ein paar markierten Wanderwegen ist das Gebirge weitgehend unerschlossen.

Anreise: Flug von München nach Bilbao.

Unterkünfte: Nur wenige km nördl. von Potes fanden wir im Hotel „Posada El Corcal de Liébana“ eine vorzügliche Bleibe für die ersten Tage. Später übersiedelten wir nach Sotres um auch den nördlichen Teil der Picos zu erkunden. Dort sind wir im „Hotel Rural Casa Cipriano“ abgestiegen. Der Inhaber, ein geprüfter Bergführer (obschon man ihm das nicht mehr ansieht) spricht hervorragend Englisch und ist ein Garant für wertvolle Tourentipps.

Unsere Touren: Ein ungewöhnlich schneearmer Winter – die Einheimischen waren der Meinung, dass es so wenig Schnee während der letzten 50 Jahre noch nie gegeben hat – machte die Auswahl gar nicht so einfach.

8. März 2020 – Peña del Portillo de las Yeguas (2.129 m)
Grundsätzlich sah die Gipfelkette ja sehr gut aus. Leider zeiget sich aber sehr bald dass die Schneemenge für eine genüssliche Abfahrt dann doch nicht reichte. Ein eisiger Nieselregen, in der Gipfelregion, ließ dann auch keine rechte Gipfelfreude aufkommen.

9. März 2020 – Tiros Casares (ca. 2.400 m)
Tiros Casares ist eine kleine, dem Te. del Hoyo Oscuro vorgelagerte Scharte. Da der Te. del Hoyo Osruco für eine Skitourengruppe ohne Kletterausrüstung kaum zu besteigen ist endete unsere Tour auf dieser Scharte. Aufstieg und Abfahrt führten durch den Canal de San Luis. Die Tour ist auch unter Einheimischen Bergsteigern recht beliebt. Trotzdem kann man die paar Leute, die uns begegneten, nicht mit den nahezu schon unerträglichen Menschenmassen auf unseren heimischen Skitouren vergleichen. Much, Peter, Manfred und Ossi E. fanden dann, während der Abfahrt doch noch einen Gipfel den sie mitnehmen wollten. Sie haben also nochmals aufgefellt und eine wunderbare steile Abfahrt genossen.

10. März 2020 – Te. de los Hdos. Rojos (2.253 m)
Eine völlig unsinnige Fehleinschätzung hat uns diesen wunderbaren Gipfel gekostet. Unterhalb der Abzweigung zur Ag. Canalone, auf einer wunderbaren Kuppe mussten wir feststellen dass uns von unserem Ziel eine Zwischenabfahrt trennte. Die Temperatur war beinahe schon sommerlich und so entschlossen wir uns die Hänge, die wir bis hierher aufgestiegen sind, bei noch makellosem Firn, gleich wieder abzufahren. Vermutlich wäre die Schneequalität aber während des Tages kaum schlechter geworden – also hätten wir die gut 1 ½ Stunden, die uns noch vom Gipfel trennten ruhig investieren können. Am späten Nachmittag übersiedelten wir dann nach Sotres.

11. März 2020 – Sagrado Corazon (2.214 m)
In einem “normalen” Winter kann man beim Parkplatz in Jito del Escarandi, auf ca. 1.200 m, die Ski anziehen. In diesem Jahr mussten wir die Ski zunächst allerdings einmal ca. 45 min. bis zur Hütte Caseton de Andara tragen. Nachdem wir die Ski endlich anziehen konnten galt es zunächst ein Joch (Collado de la Aldea) zu erreichen, von dem aus wir unser Gipfelziel sahen. Der Anblick war niederschmetternd! Erst auf den dritten oder vierten Blick zeigte sich, dass eine breite, gut mit Schnee gefüllte Mulde wohl doch einen Anstieg zum Gipfel und dann auch eine genussvolle Abfahrt ermöglicht. Trotz der Mühen des An- und dann auch Abstieges (Ski am Rucksack) war die Tour, bei denkbar besten Schneeverhältnissen, überaus lohnend.

12. März 2020 – dichter, nahezu undurchdringlicher Nebel und Regen
An eine Skitour war nicht zu denken. Mit stundenlangen Kartenspielen verging der Tag allerdings dann doch sehr amüsant.

Obschon wir von den Berichterstattungen im spanischen Fernsehen kaum ein Wort verstanden haben wurde uns klar, dass die Coronakrise mittlerweile halb Europa erfasst hat. Viele europäische Länder schlossen ihre Grenzen. In unserer Gruppe machte sich Unsicherheit breit und so entschlossen wir uns unseren Urlaub vorzeitig zu beenden.

13. März 2020 – das Wetter bessert sich
Rückfahrt nach Bilbao und Umbuchung des Fluges (unser ursprünglicher Flugtag war ja der 14. März). Bei einem köstlichen gemeinsamen Mittagessen in einem tollen Fischrestaurant am Meer haben wir die Tage in Spanien ausklingen lassen.